Das Ende des Hexengifts

Die SMS Schwertfisch II. unter dem Kommando von Kommodore Tony Cohen fuhr Anfang des zwölften Monats des Jahres 31 ((2015)) auf eine Übungsmission zur See. Die Paladine Astaria Arcados, Caverios Serath und Leofwine Delaney sind mit an Bord. Mit ihnen war in einer Urne die Asche von Marianne Rosenberg, Rosenbaum oder Annalena Düsterfang - wie auch immer ihr wahrer Name gewesen sein mag.

Es war jene Hexenmeisterin, die Seelensplitter hortete, Unschuldige in Sturmwind vergiftete und Kinder ermordete und schließlich im Namen des Königs hingerichtet wurde.

Vom jenem Tage an, als wir in den Leibern unserer Mütter entstanden und das Heilige Licht und mit Leben gesegnet hat, hat es uns gleichermaßen eine Seele eingehaucht. Rein, unverdorben, unschuldig und vollkommen Gut, wie es auch vom Lichte nicht anders hätte sein können. Und so ist es auch, dass wir, Geschöpfe des Lichts, frei von jeder Sünde, im Geiste frei von den Vergehen unserer Eltern, Vorfahren und Volksgenossen auf dieser Welt wandeln.

Doch diese Welt ist alles andere als rein. Das Unheilige, der Schatten, umgibt uns beständig. Er versteckt sich. Er verkriecht sich vor dem Antilz des Lichts. Und doch ist er da. Doch lauert er. Begierig auf eine Gelegenheit, sich unserer zu bemächtigen, seinen Einfluss und seine Macht zu stärken.

Ständig sind wir einer Prüfung ausgesetzt. Der Prüfung, dem Schatten und seinen Verlockungen zu widerstehen, wenn er sich unserer bemächtigen will... dem Guten treu zu bleiben und uns diesem zu beweisen. Und lasst Euch sagen: Ein gläubiger Geist kann dem widerstehen. Denn wer dem Lichte hold ist, dem steht das Licht bei. Derjenige wird widerstehen und das Licht wird es geschehen lassen, dass er glückselig ist. Im Leben, wie aber auch im Tode, wenn es uns umfangen von seiner Herrlichkeit mit der Ruhe im seligen Frieden belohnt.

Und selbst wenn der Schatten erbost seine Mächte spielen lässt, um uns zu peinigen, andere schickt, uns zu schaden, damit wir trauern und wütend sind - uns zum Hass und zur Verzweiflung treiben will, damit wir uns ihm darin doch zuwenden, so mag das Heilige Licht über jene Verbindung, welche uns seelisch alle zu Geschwistern macht, widerum Menschen schicken, die sich unserer annehmen. Die uns trösten, uns helfen, uns beistehen und wieder glücklich machen. Die uns von Abwegen abhält...

Dies erfordert eine Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft, die einander beisteht. Haben wir diese nicht oder sind von Menschen umgeben, die selbst nicht glücklich genug sind, um ihr Glück mit anderen zu teilen, so bleibt uns nur die Kraft, die das Licht uns selbst gibt, zu widerstehen. Und selbst wenn wir einmal sündigen, wissentlich oder unwissentlich, das Licht uns strafen und sich von uns distanzieren wird, so ist es doch gnädig und wird uns verzeihen, so wir wahrhaft Reue zeigen.

Anders ist es jedoch, wenn man sich willens dem Bösen hingibt, nach Chaos, Leid, Tod und Unheil trachtet. Denn das Licht verdammt all jene, welche Böses im Schilde führen. Zwischen Licht und Schatten stehen wir immernoch selbst. Und wer sich im vollen Bewusstsein vom Licht abwendet und sich für das Böse entscheidet, dem Schatten und der Finsternis huldigt, weil er von einer vermeintlichen Macht oder derlei gelockt wird und Freude empfindet, anderen und dieser Welt Leid zuzufügen, der hat sein Recht auf Leben und Frieden verwirkt. 

Marianne Rosenberg, so ihr Name wahrhaftig so war, ist der Finsternis anheim gefallen. Sie stoß das Licht von sich ab und wandte sich den Dämonen zu. Sie bediente sich der widerwärtigsten und dunkelsten Mächte des Nethers, riss Seelen Unschuldiger mit in der Verdammnis und begann abscheuliche Verbrechen. Das Licht sandte uns als seine Streiter, und Diener, um Gerechtigkeit walten zu lassen, dem ein Ende zu setzen und sie zu richten. Und so nun ist diese Welt von dem Wirken dieser verlorenen Seele befreit. 

Ob es die eigenen finsteren Machtgelüste waren, das willentliche Abwenden vom Licht oder Verzweiflung, welche sie letztendlich in die Fänge und Lügen des Schattens trieb, vermögen wir nicht genau zu sagen. Doch beide Fälle sind schändlich. Und so soll es uns in beiden Fällen eine Mahnung sein. Es soll uns eine Mahnung sein, was mit uns geschehen kann, wenn wir uns vom Lichte abwenden. Es soll uns eine Mahnung sein, was mit unseren Mitmenschen geschehen kann, wenn wir uns ihrer nicht annehmen, wenn sie von innerlichen Unruhen geplagt werden. Seht zu eurem Nächsten. Erkennt das Leid, wenn Ihr es seht und ignoriert es nicht. Nehmt Euch ihm an, entsagt selbst dem Bösen. Und dann wird es Euch und eurem Nächsten gut ergehen.

Die irdischen, verderbten Reste von Marianne Rosenberg sollen nun dem Meer übergeben werden, auf dass seine Wellen es fort in alle Richtungen tragen und es dann in den Tiefen versinken lassen möge. Sie sollen vergehen und vergessen werden wie auch jedwedes Leid, dass dieses Wesen verursacht hat. Und trotz Verachtung und Ungnade, die viele von uns verspüren mögen, lasst uns glauben und in die Gerechtigkeit des Lichts vertrauen. Denn nur es weiß um die reine, unverfälschte Wahrheit.

Caverios öffnete die Urne und schüttete die eingeäscherten Überreste der Hexenmeisterin ins Meer. Die anderen beiden Paladine, Kommodore Cohen und die anderen, wenigen Mannschaftsmitglieder, die den Worten lauschten, schwiegen und hielten den Blick gesenkt.

So möge es ihrer Seele gnädig sein, wenn es wahrhaft großes Leid und Verzweiflung war, welches sie auf diesen finsteren Pfad gebracht hat, sie im letzten Atemzug im Antilz des Lichts die Wahrheit erkannte und reute. Soll sie so den Frieden finden, der ihr zu Lebzeiten verwehrt wurde. Doch möge es sie auch vom Schatten holen und sie in der Verdammnis büßen lassen, sofern ihre Gräueltaten zu abscheulich und ihr Dasein eine einzige Sünde waren. Es sei wie es sei, wie es letztendlich die Gerechtigkeit des Lichts verlangt.

Und das letzte, was man von der Hexenmeisterin sah, war ihre Asche, die langsam von den Wellen fortgetragen wurde.