Mahnwort: Haus van Haven

In den Archiven der Kirche des Heiligen Lichts befindet sich ein offiziell anmutendes Dokument, welches unter den wichtigen, informierenden Schriften leicht zu finden ist und von jedem geweihten Mitglied des Klerus eingesehen werden kann. Verfasst ward es im März des Jahres 32. ((2016))

Brüder und Schwestern des Glaubens,

 

diese folgenden Zeilen sind Zeilen der Aufklärung, denn mit großer Unruhe und mit großem Schmerz im Herzen mussten wir beobachten, wie einst treue Männer und Frauen des Lichtes mit dem süßen Gifthonig der Intrige sowie dem Lug und Trug einer Abtrünnigen missbraucht und korrumpiert werden. Unwissentlich verlassen sie unter ihrem Einfluss den Pfad der Rechtschaffenheit, entwürdigen sich zu ihrer Marionette und beginnen unter ihrer Fuchtel zu sündigen, gar dem Licht und allen Idealen und Werten, welche wir die unseren nennen, entsagen. Häretischer Unglaube, Lügen und Verleumdungen sowie ein Verfall von Moral und Vernunft greifen um sich und verbreiten sich wie eine Seuche.

 

Brüder und Schwestern, nehmet acht vor Aelendra Aeslynn van Haven, dem Oberhaupt des abtrünnigen Hauses van Haven und der Regentin der arathischen Markgrafschaft Hohenwacht. Dieses Haus hat unserer glorreichen Allianz die Treue aufgekündigt und verleugnet und verspottet den Glauben an das Heilige Licht. Aelendra van Haven, die gefallene, eid- und kodexbrüchige Paladin, tritt die Silberne Hand und ihr Erbe mit Füßen. Unter ihrer falschen Führung frönt das Volk von Hohenwacht die Auslebung und die Verbreitung eines häretischen Aberglaubens, der auf gefährliche Abwege führt, großartige Ideale und Werte verfallen lässt und durch die fälschlicherweise verherrlichte Ausgeburt einer Götzenverehrung gleich jener der Orcs ersetzt, welche sie der Erlösung des Lichtes nach dem Tode beraubt. Selbst einst ehrbare Männer und Frauen des Lichts erleiden durch das tolerante Hinnehmen sogenannter Kompromisse ob dessen einen spirituellen und moralischen Verfall, der sie blind auf Augen und Ohren macht.

 

Schlimmer noch, liegen in Burg Sturmwind Berichte vor, welche bezeugen, dass sie Spione und Saboteure im Herzen der Allianz eingeschleust haben, um bei jeder beliebigen Gelegenheit Schaden anzurichten und Unruhe gegen die hiesige Obrigkeit sowie die Kirche des Lichts zu stiften. Keine Gelegenheit wird ausgelassen, um Sturmwind sowie seinen inneren Institutionen zur Wahrung von Recht, Ordnung, Moral und Sitte zu zersetzen.

 

Das schlimmste Verbrechen aber geschah in Westfall. Das Haus van Haven hat sich mit dem königsfeindlichen Großbauern Wolland Avery verbrüdert und in einem Handel mit Waffen unterstützt. Denn Wolland Avery war ein Verschwörer gegen das Volk, die Krone und die Kirche. Er hat nicht nur mit Gnollen und verbliebenen Banden der Defias paktiert, sondern auch Westfalls Bevölkerung in seinem Einflussbereich gegen Sturmwind aufgewiegelt, Hass geschürt und zum Verbrechertum angestiftet.

Es war die Aufgabe Averys im Gegenzuge die Köpfe dieser Menschen mit Propaganda zu füllen, um sie ins Kriegsgebiet im Arathihochland zu locken, damit sie als Freisassen gegen die Feinde Hohenwachts kämpfen. Nicht mehr als ein Handel, der Menschen zur Ware hatte, schändlichst verschleiert unter dem Deckmantel der Nächstenliebe.

Doch damit nicht genug. Roslinn de Montford, eine Freisassin Hohenwachts und Söldnerin im Dienste von Regentin Aelendra und dem Hause van Haven, hat eben diese Miliz von Avery in einen bestialischen Schlachtzug gegen die Höfe von Goldenweiden geführt. Goldenweiden ist Land unter der Lehnsherrschaft unserer Kirche. Rechtschaffene, unschuldige Menschen leben und arbeiten dort hart für ihr täglich Bort. Nichts zu schaffen haben sie mit der Politik oder dem anderen Leiden auf Azeroth. Und viele der überschüssigen Erträge dort gegen sie willig den Armen über die Hand der Kirche.

Doch dies hielt Roslinn de Montford und Averys Miliz nicht davon ab, Männer, Frauen und Kinder dort gleichermaßen wie Vieh abzuschlachten oder sie in ihren Häusern einzusperren und beim lebendigen Leibe zu verbrennen. In ihrem grausamsten Akt des Mordes haben einen Teil der Bauern gefangen genommen und kleine, widerliche Spielchen mit ihnen getrieben. Den Gewinner von einem dieser zwangen sie in ihrem Wahnsinn, die Köpfe der Verlierer in einem Sack direkt vor die Kathedrale des Lichts tragen und sie dort vor den Augen der Gläubigen zu präsentieren.

An diesem Tage starben insgesamt 29 Unschuldige.

Ein widerwärtiger und abstoßender Akt der Rache, zugrundeliegend einzig und allein einem persönlichen, bedeutungslosen Konflikt seitens der Regentin Aelendra mit einer einzelnen Paladin der Kirche des Lichts, Astaria Arcados, welche von seiner Exzellenz, dem Bischof von Westfall, lediglich mit der Verwaltung dieser Höfe betraut wurde. Diesem Konflikt lag zugrunde, dass Paladin Astaria - nachdem sie erkannte, dass sie betrogen und ausgenutzt wurde, um van Haven in ihrer Fehde mit dem Haus Winterhain einen Vorteil zu verschaffen - ihrem Glauben, der Kirche sowie Sturmwind und der Allianz die Treue hielt, statt dem abtrünnigen Hause van Haven, wie Aelendra van Haven es verlangte.

 

Als die Armee von Sturmwind einschritt, um Wolland Avery und seine Miliz zur Rechenschaft zu ziehen, erschien ein Schiff aus Stromgarde vor der Küste Westfalls, die "Rose des Hochlands". Auf Anordnung von Aelendra van Haven hatte sie den Auftrag, alle Menschen Averys zu evakuieren und der Gerechtigkeit Sturmwinds zu entziehen. Das Vorhaben scheiterte lediglich dank dem Einsatz der Marine.

Wolland Avery, dessen Miliz und Roslinn de Montford wurden von der Armee von Sturmwind ungeachtet dessen ob ihrer Verbrechen gefasst. Roslinn de Montford wurde hingerichtet und Avery für den Rest seines Lebens ins Verlies gesperrt. Alle Dokumente des Militärs sowie der Gerichtsbarkeit von Sturmwind sollen die Zeugen meiner Worte sein.

 

Aelendra van Haven leugnete eine direkte Verwicklung und sie vermochte es über ihre korrupten oder naiven Kontakte im Sturmwinder Adelshaus, sich einer Verhandlung vor dem hohen Gericht von Sturmwind mit einem Friedensvertrag zu entziehen. Doch die Wahrheit lässt sich mit einem korrupten Stück Pergament weder verleugnen, noch begraben. Denn es kann keinen Frieden ohne Gerechtigkeit geben, welche das Unrecht begleicht und die Herzen der Menschen wieder milde stimmt. Keine Vergebung kann es geben, wenn jemand nicht wahrhaftig reut, nicht ernsthaft Buße tut und aufrichtig um Sühne bittet. Wie sollen die noch lebenden Opfer dieses Massakers wieder ihren inneren Frieden finden, wenn sie keine rechtschaffene Vergeltung, keine Gerechtigkeit, keine Sorge und Mitgefühl erfahren? Wie sollen sie noch fromm sein, wie sollen wir erklären, wenn sie zu uns kommen und sagen, dass das Licht sie verlassen habe? Wie können wir uns Diener des Lichts nennen, wenn wir einfach nur wegsehen, weil das zarte Lächeln der anderen Seite angenehmer ist?

 

Stets liegt die Verantwortung ob der Taten eines Vasallen beim Herren und niemals hätten die Diener, Roslinn de Montford und Avery mit seiner Miliz, ohne Anordnung und somit ohne Grund gehandelt. Nie hätten sie ihre Existenz auf das Spiel gesetzt. Ganz zu schweigen vom Motiv der Rache, welches ganz eindeutig bei Aelendra van Haven zu finden ist. Doch sie stand nicht für diese Morde gerade und opferte de Montford stattdessen wie einen Bauern auf dem Schachbrett. Sie empfand keine Reue, keine Scham, kein Mitleid - sie stand hinter ihren Taten.

 

Ein Zeugnis dieser Worte sowie ein Zeugnis der Farce dieses Friedensvertrags ist der Bruch von eben jenem seitens Lady Aelendra. Ein Nekromant, ein abtrünniger, ehemaliger Magier der Kirin Tor, Rufus Aldebrant, barg den Leichnam von Roslinn de Montford kurz nach der Hinrichtung aus einem Massengrab von verbrecherischem Abschaum und erweckte sie mithilfe der Totenbeschwörung wieder, woraufhin diese im Königreich Sturmwind wieder für Terror und Unruhe sorgte. Bevor die Stadtwache ihn fassen konnte, versteckte er sich im Stadtanwesen des Hauses van Haven unter dem offiziellen Schutz von Lady Aelendra.

 

Rufus Aldebrant konnte sich den Soldaten des Königs jedoch nicht von Dauer entziehen. Er gestand vor der Stadtwache von Sturmwind, dass er im Auftrag von Aelendra van Haven spionieren und für möglichst viel Schaden sorgen sollte. Er gestand vor Paladin Astaria, Roslinn de Montford in Lady Aelendras Auftrag genau dafür wiedererweckt zu haben und beschrieb ihr dabei die Einzelheiten des Zaubers.

Doch wieder einmal konnte Aelendra van Haven sich der Gerechtigkeit wie eine Schlange entziehen und das Adelshaus von Sturmwind täuschen. Die uns nur so leidlich bekannten Abgründe der Politik kamen zum Vorschein, welche auch die Todesritter und Hexenmeister in unseren Reihen duldet, sie durchsetzen und verderben lässt.

 

Brüder und Schwestern, dies ist ein Appell an Euch! Das hier kein Belang der Politik, es ist ein Belang von Ehre, Glaube und Treue zum Licht. Lasset Euch nicht täuschen von dieser Abtrünnigen, denn sie wird nicht aufhören und ihr Streben ist einzig und allein, uns zu schaden. Vergesst nicht, wie unser Glaube, unsere Werte und Ideale durch ihre Taten mit Füßen getreten werden. Vergesst nicht, wie sie mit den Anhängern des Schattens paktierte. Vergesst nicht, was den Menschen in Westfall angetan wurde. Verschließt nicht Augen und Ohren, wenn sie einmal wieder unsere Kirche verleumden und die Lehren des Lichts pervertieren will.

Es kann schlussendlich, ich mag mich nur wiederholen, keine Vergebung und damit auch keinen Frieden geben bis sie ihre Sünden vor dem Lichte gesteht, ehrliche Reue empfindet und sich einer gerechten Strafe stellt. Sobald das geschehen ist, steht einer Absolution nichts im Wege. Doch bis es soweit ist müssen wir uns die Fragen stellen: Ist die Gesellschaft mit Mördern und ihren Anhängern mit unseren Werten und Idealen zu vereinbaren? Können wir uns noch als rechtschaffene Männer und Frauen des Lichts bezeichnen, wenn wir die schändlichsten Verbrechen nur ob der Illusion von Frieden tolerieren? Unsere Verantwortung vergessen und weiterhin Tür und Tor offen lassen, dass uns und Sturmwind weiter geschadet wird?

Nein. Steht zu eurem Glauben, steht zu eurer Kirche, steht zu dem, was Ihr seid und lasst Euch nicht erweichen von einem geübten, unschuldigen Lächeln und süßlichen Lippenbekenntnissen, hinter welchen nicht mehr, als Berechnung steckt.  Wir als Glaubensgemeinschaft müssen - ungeachtet jedweder kleinen, internen Unstimmigkeit - nach außen hin zusammen halten und uns dem Schatten, gleich, wie er sich zeigt, verwehren. Keiner, der sich als einen wahren Diener des Lichtes bezeichnet und von Gerechtigkeit spricht, darf diese schändlichen Verbrechen mit Ignoranz, Unbeteiligtsein oder einer falschen Form der Vergebung behandeln. Ich sage somit in aller Deutlichkeit: Schande über all jene, welche im besten Wissen um die Vergangenheit gar die Freundschaft oder die Unterstützung dieser Häretiker suchen.

Der Tag der Abrechnung wird kommen, Brüder und Schwestern. Die Gerechtigkeit des Lichts wird erwachen und dort umso härter einschlagen, wo der irdische Gerichtsstab versagte.

 

Gelobt sei bei dem Heiligen Lichte, dass alles, was hier geschrieben steht, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit ist.

 

- Paladin Caverios Serath, Ritter der Silbernen Hand