Massaker in Goldenweiden

Militärischer Auftrag der Klingen Tyrs

Kommandanten:

Großmeisterin Astaria Arcados

Hauptmann Garren Lennox

Streiter:

Die Klingen Tyrs (Kirche des Lichts)

53. Kompanie (Sturmwind, Allianz)

Feinde:

Roslinn de Montford (Haus van Haven)

Wolland Avery (Averys Miliz)

Es war eine kühle Nacht in Westfall. Die beiden Monde und die Sterne glänzten am wolkenlosen Himmelszelt und eine sachte Brise aus westlicher Richtung, vom großen Meer aus, zog über das Land. Die Ähren auf goldenen Feldern, ins Nachteslicht getaucht, bogen sich unter einem leisen Rascheln.

 

Goldenweiden. Ein Fleckchen Land, ein Fleckchen Glück inmitten des von Armut, Hunger und Gesetzlosigkeit geprägten Landes. Die Kirche des Lichts, in ihrem Namen der Orden der Klingen Tyrs, hatte die Verwaltung über diese kleine Ansammlung an Höfen und Feldern inne. Und dementsprechend gut ging es den Bewohnern im Vergleich zu all den anderen Bauern, welche nicht gerade das Glück hatten, innerhalb der unmittelbaren Reichweite zur Späherkuppe zu leben.

Aber vom gnadenlosen Gesocks dieser Welt blieb man selbst hier nicht verschont. Die Bruderschaft der Defias war besiegt. Zum zweiten Mal. Aber damit war es natürlich nicht getan. Ein Teil der Überreste formierte sich zu den sogenannten Westfallbriganten. Und einmal wieder wurden die ehrlich arbeitenden und schuftenden Menschen Sturmwinds beraubt.

Die Großmeisterin der Klingen Tyrs lag dem Oberkommando von Sturmwind so lange in den Ohren, bis es ihrem Anliegen auf mehr Unterstützung nachgekommen war. Aber mehr, als die 53. Kompanie konnte sie nicht gewinnen. Die 53. Kompanie. Die Vorreiter des Angriffs auf Orgrimmar. Eine Einheit, bei der mehr als die Hälfte ihrer ursprünglichen Stärke durch die Äxte der Kor'kron geschlachtet wurde oder verletzt in den Kasernen lag. Wieviele Mann hatten sie noch? 30? 50? Maximal. Unmöglich, die verstreuten Höfe alle zu beschützen. Aber sie behalfen sich damit, die Bauern ein wenig im Kampf zu schulen, damit sie bei einem Angriff auch zu den Waffen greifen konnten.

Hauptmann Garren Lennox lag in dem kleinen Herrenhaus Goldenweidens, dass ihm zur Verfügung gestellt worden war, im Bett, innmitten des kläglichen Versuchs, nach einem erneuten Albtraum wieder einzuschlafen. Der Soldat, in Schweiß gebadet, wand sich immer wieder hin und her. Doch die Unruhe in ihm mochte nicht vergehen. Seit Durotar flackerten immer wieder die gleichen Bilder vor seinem inneren Auge auf. Die Gesichter seiner Männer, die ihm nicht aus dem Kopf gingen.Die im Entsetzen erstarrten Züge der Gefallenen, die enttäuschten und verzweifelten Blicke der Familien, welchen er die Nachricht überbracht hatte. Das hässliche Grinsen der Orcs, wenn sie einen von ihnen töteten. Das Wimmern eines Sterbenden in seinen Armen. Alles Männer und Frauen, welche auf ihn vertrauten. Für welche er die Verantwortung hatte. Verluste in einem Krieg waren normal, das wusste er. Vor allem, wenn man im Nachteil war. Sie waren zu Wenige für all die Aufgaben, die man ihnen gegeben hatte. Ein Wunder, dass ein Teil überhaupt überlebt hatte. Und doch hatte er alle enttäuscht.

Der Mann atmete tief durch und fuhr sich mit einer Hand über das feuchte Gesicht. Er dachte in dem Moment an einen damaligen Offizier, der ihm unterstand. Tolok Reogolus. Nie ein Funken Gefühl aus dem Inneren auf seinem Gesicht. "Der muss sich mit so 'ner Scheiße sicher nie herumschlagen.", murmelte Garren zu sich selbst, ehe er plötzlich aufmerkte; vollkommen aus den Gedanken gerissen. Die Augen wurden wacher, weiteten sich, als er durch ein offenes Fenster einen leisen Klang vernehmen konnte. Ein Klang, einem Horn aus weiter Ferne gleich. Ein Horn der Armee. Lennox kannte es nur zu gut. Das Vieh draußen begann wild und unruhig zu schnattern und auch die Stimmen unruhiger Bauern waren zu vernehmen.

Der Hauptmann riss die Decke zur Seite, warf sich einen Mantel um, griff sein Schwert und marschierte nach draußen. Und als er die Tür vom Herrenhaus aufwarf und hinaus trat, lief ihm sofort ächzend ein Soldat in die Arme. Eine der Patrouillen. "S-sir...!" stotterte er. "Die westlichen Höfe, Sir. Sie werden angegriffen, Sir! Hunderte! Sie schlachten die Bauern!" - Garrens Atem hielt an. Er sah, wie die beiden Paladine der Klingen Tyrs, die ebenfalls vor Ort waren sowie weitere Soldaten und Bauern angelaufen kamen. "Ruft zu den Waffen! Versammelt alle und informiert die Späherkuppe! Bewegung! Los, los, los!" brüllte er anheizend und fast im gleichen Moment erklangen die Glocken und Löwenhörner ringsherum von den Wachtürmen um ihn. Leutnant Kaedwen nah von ihm wiederholte seinen Befehl umso lauter und alle liefen hektisch umher. "Elende Scheiße..." dachte Garren und rieb sich die Augen, ehe er zurück ins Herrenhaus eilte, um seine eigene Rüstung anzulegen. "Nicht schon wieder..."

 

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Feuer am Horizont. Die Flammen loderten und Rauch stieg in den Nachthimmel, während aus der Ferne Schreie und Kampfgebrüll zu hören war. Unruhiges, teils gar ängstliches Gemurmel aus den eigenen Reihen.

Lennox starrte eine ganze Weile in die Richtung. Neben ihm aufgereiht die wenigen Soldaten, die er hatte, die beiden Paladine Serath und Weißensee zu Pferd und alle anderen Bauern Goldenweidens, notdürftig gerüstet und bewaffnet. Vor ihm die Überreste eines zertrampelten Feldes. "Weiter, Bewegung!" brüllte der Hauptmann nach hinten.

Schüsse knallten, Holz berstete, das Vieh tobte, Männer und Frauen schrien sich Zorn und Schmerz aus der Kehle. Das elende Kinstern des Feuers, welches lichterloh ein Gebäude umschloss und wild und unkontrolliert in den Himmel loderte. Todesschreie aus dem Inneren. Überall Trümmer, Blut, Waffen, Tod. Eine schwarze Bestie huschte darüber hinweg in die Nacht, umgeben der menschlichen Schlächter.

Keine Sekunde. "MÖRDER! Zum Angriff! Haltet sie auf! FÜR DAS LICHT! FÜR DIE ALLIANZ!" Lennox brüllte aus voller Kehle und wie aus einer gewaltigen Stimme stimmten seine Soldaten mit ihm ein. Die Paladine preschten mit ihren Pferden durch die Reihen, während die Soldaten und die Bauern auf die fremden Eindringlinge zustürmten. Laute Schreie, aufgewirbelter Staub, klirrende Schwerter, brechende Schilde. Die Angreifer zogen sich zurück. Doch war der Großteil von ihnen scheinbar längst über alle Berge, während seine Streiter die zurückgebliebenen Briganten mit eisigem Hass zu Tode schlugen.

"Kaedwen, setzt ihnen nach!" rief er zu seinem Leutnant, der sofort ein paar Männer nahm und den Feinden verdeckt nachlief. "Der Rest sichert die Umgebung!" brüllte er zu den anderen. Und sie taten, wie geordert. Doch es war zu spät. Der Hauptmann ließ den Blick schweifen und sah den Boden, gepflastert von den Leichen der Bauern und einigen seiner Soldaten. Die zertrümmerten Gebäude, das brennende Haus, totes Vieh. Wut und Frust wüteten in seinem Inneren und er ballte die Hände zu Fäusten...

 

In der Ferne war das Signalhorn der Westfallbrigade zu hören...

In aller Munde war es, von Westfall bis nach Sturmwind, als das Massaker geschah. Ein Mann, ein Großbauer mit dem Namen Wolland Avery; er lebte auf Höfen im südlichen Westfall, in den Dolchhügeln. Seit jeher pflegte er eine Distanz zum restlichen Sturmwind. Anstatt sich der Volksmiliz anzuschließen, gründete er seine eigene Miliz. Einzig und allein, um ausnahmslos seine Höfe zu verteidigen. Wenn auch mit teils fragwürdigen Methoden. Und durch einen Handel mit dem Adelshaus van Haven aus dem Reich Stromgarde bestens gerüstet.

Und so kam es, dass Roslinn de Montford, eine Freisassin aus dem Hause van Haven, die Miliz von Avery gegen Goldenweiden führte. Die Bauern wurden bestialisch geschlachtet, das Vieh getötet oder entführt. Doch warum? Weil Lady Arcados, jene, welche im Auftrag der Kirche die Verwaltung und der Schutz obliegt, in einer Adelsfehde zwischen dem Hause van Haven und dem Haus Winterhain Partei für jene auf der Seite Sturmwind ergriffen hatte. In der Überzeugung, von der anderen Seite getäuscht worden zu sein, im Namen der Gerechtigkeit, Loyalität zum Reich und zum Schutze der Leben zahlloser Unschuldiger.

Aber Sturmwind war nicht nachgiebig. Die Höfe Averys wurden eingenommen, die Verantwortlichen gefangen genommen und für ihre Verbrechen gerichtet. Doch das angerichtete Leid ist damit nicht vergangen. Die feindselige Propaganda, die er gegen das Reich führte, noch in der Welt. Und die wahren Strippenzieher des ganzen vermögen nach wie vor ungescholten im Schatten verweilen...